Über uns

"Die Geschichte vor Ort lebendig machen" – so lautet das Motto der AG Geschichte, einer Arbeitsgruppe des Treibhaus e.V. in Döbeln. Wir gründeten uns Anfang 2010 und beschäftigen uns seitdem mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Döbeln. Unser Ziel ist die möglichst genaue Rekonstruktion der Zeit von etwa 1923 bis 1945, d.h. vom Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung und die schrittweise stattfindende Radikalisierung des Alltags, bis hin zum Beginn der Rüstungsproduktion und dem Einsatz von Zwangsarbeitskräften. Auch geht es darum, wie sich die NS-Ideologie im Allgemeinen durch zunehmend stattfindende Propaganda immer weiter ausbreitete und alltäglich wurde. Weiterhin spielen die Veränderung des Döbelner Stadtbildes, Jüdisches Leben, welches in Döbeln während der NS-Zeit gänzlich ausgelöscht wurde, Todesmärsche und die Folgen des Krieges eine Rolle.

Wir fanden im Döbelner Stadtarchiv eine Ausarbeitung des Döbelner Heimatfreundes Jürgen Dettmer, der bereits anhand der Tageszeitung von 1923 – 1945 detailliert Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus zusammengetragen hatte. Diese Arbeit sollte auch die Primärquelle für die folgenden Recherchen der AG werden. Durch kontinuierliche Nutzung und Besuchen von verschiedenen Archiven, gelang es uns immer mehr Puzzleteile zusammenzusetzen. Und so wurde das Bild über Döbeln im Nationalsozialismus immer vollständiger.

Im Laufe der Zeit wurde ein historischer Stadtrundgang durch Döbeln erarbeitet und konzipiert. Dieser wird mittlerweile regelmäßig öffentlich angeboten. Durch die Ortsbegehung zu den historischen Orten des Geschehens in Döbeln sowie die Präsentation historischen Materials (Akten, Fotos, Zeitungen, Dokumente) wird die Nähe zur Geschichte verdichtet. Jedoch geht es uns dabei nicht um Denunziation oder Beschuldigung, sondern um eine detaillierte Aufarbeitung und Aufklärung.

Auch die politisch-historische Bildungsarbeit in Schulen ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer AG Geschichte. Während der Arbeit vorrangig mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Treibhaus e.V. wurde deutlich, dass diese Zielgruppe sich nur noch selten für geschichtliche Ereignisse interessiert. Mögliche Gründe hierfür sind, dass zum einen schon alles erforscht scheint, und die eigentliche Forschungsarbeit durch andere vorgenommen wird. So bleibt für junge Menschen oftmals nichts anderes übrig als Geschichte passiv zu konsumieren. Aus zeitlichen Gründen fehlt im normalen Schulalltag oft der Bezug zu der eigenen regionalen Geschichte. Dadurch erfahren viele Geschichte meist als langweilig und als etwas von ihrem Leben getrenntes. So entwickelte die AG Geschichte einen speziellen Stadtrundgang für Schüler_innen. Geschichte mit und für Jugendliche kann nun greifbar und erfahrbarer gemacht werden. Ziel ist es, auf diese Art die Schüler_innen für Rassismus, Intoleranz und Antisemitismus zu sensibilisieren, um vergangenen politischen Entwicklungen, wie der NSU, entgegenzuwirken. Die Mittelschule „Am Holländer“ Döbeln nutzt den von uns erarbeiteten Stadtrundgang mittlerweile als einen praktischen Teil des Geschichtsunterrichts, in Zusammenarbeit mit dem Lessing Gymnasium Döbeln ist er ein Teil des Projekttages „Geschichte“.

Seit 2010 veranstalteten wir außerdem verschiedene Seminarfahrten zu historischen Orten und Gedenkstätten. So fuhren Teilnehmerinnen nach Krakau und Auschwitz, nach Pirna-Sonnenstein, zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand und zum Mahnmal für die ermordeten Juden Europas nach Berlin. Zudem nahmen sie an Seminarfahrten des Herbert-Wehner-Bildungswerks zu den Themen Zwangsarbeit und Todesmärsche teil.

Wir setzen uns dafür ein, den ehemaligen jüdischen Döbelner_innen Stolpersteine zu setzen und mit ihren Nachkommen in Kontakt zu treten. Des Weiteren bemühen wir uns, ehemalige Zwangsarbeiter_innen zu finden, um sie noch einmal nach Döbeln einzuladen und ihre Geschichten zu dokumentieren. Zudem sind wir immer auf der Suche nach Döbelner Zeitzeug_innen, die uns ihre Erinnerungen an Döbeln im NS schildern, die wir festhalten können, damit sie nicht vergessen werden.

Derzeit sind wir dabei, diese Website zu gestalten und mit Inhalten zu füllen. Zukünftige Ziele sind die Erstellung einer thematischen Ausstellung und einer Broschüre. 

Die AG Geschichte besteht aus (Stand 2017):

Adrian Zschiedrich / 27 (Tischler)

Jan Lormis / 27 (Student der Museologie)

Judith Schilling / 25 (Studentin der Germanistik und Kunstgeschichte)

Maria Laub / 26 (Studentin der Interkulturellen Europa- und Amerikastudien)

Sophie Spitzner / 28 (M.A. Sozialpädagogin / Sozial Arbeiterin)

Stephan Conrad / 32 (B.A. Sozialpädagoge / Sozial Arbeiter)