Zweite Auflage der Broschüre “Niemand kam zurück” ist da

Seit Anfang Januar ist die zweite Auflage der Broschüre “Niemand kam zurück. Jüdisches Leben im Altkreis Döbeln bis 1945” erhältlich. Diese wurde durch finanzielle Mittel der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ermöglicht. Neben den bereits in der Erstauflage enthaltenen Biographien enthält die Neuauflage aktuelle Forschungsergebnisse der AG Geschichte sowie einen ausführlichen Exkurs in die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Sachsen.

In den kommenden Wochen werden alle Personen kontaktiert, die bereits Interesse an der Neuauflage der Broschüre geäußert und ihre Kontaktdaten hinterlegt haben. Zudem wird die kostenfreie Broschüre auch über den Onlineshop des Treibhaus e.V. erhältlich sein. Bei Fragen und Kontakt, wenden Sie sich gerne an die Mitglieder der AG Geschichte:

Mail: ag-geschichte@treibhaus-doebeln.de
Fon: +49 (0) 3431 / 60 52 973

Den Opfern ein würdevolles Gedenken

Am Freitag, 9. November, findet unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Döbeln, Hans-Joachim Egerer, ab 18.00 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit anschließender Mahnwache an den Stolpersteinen anlässlich des 80. Jahrestages der Pogromnacht 1938 im Döbelner Theater statt. Die Veranstaltung ist eine Initiative von Döbelner Bürgerinnen und Bürgern sowie städtischen Vereinen und Insititutionen, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im gesamten Deutschen Reich unzählige Synagogen, jüdische Geschäfte und Friedhöfe wurden zerstört, Versammlungsräume, Wohnungen und Gebetsräume geplündert. Die Pogromnacht war ein weiterer Höhepunkt beispielloser Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden. Nach dem Ende der NS-Diktatur war auch in Döbeln das jüdische Leben gänzlich vernichtet oder vertrieben worden. Heute gibt es nur noch wenige Spuren, die Aufschluss über die ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger Döbelns geben.

Gemeinsam rufen die Stadt Döbeln, die Mittelsächsischen Theater und Philarmonie gGmbH, das G.-E.-Lessing-Gymnasium Döbeln, die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde, die Katholische Kirchgemeinde St. Johannes, der Treibhaus e.V. Döbeln und Bürgerinnen und Bürger der Stadt dazu auf, sich zu beteiligen und den Opfern würdevoll zu gedenken. Sie wenden sich damit gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus und wollen ein Zeichen für ein demokratisches Miteinander, für Weltoffenheit und Zivilcourage setzen. 

Ab 17.00  Uhr wird im TiB (Theater im Bürgerhaus) die Ausstellung „Zum Beispiel die Glasbergs…“ gezeigt, welche vom Stadtmuseum/Kleine Galerie Döbeln zur Verfügung gestellt wird. 18.00 Uhr beginnt die Gedenkveranstaltung im TiB. Neben einer künstlerischen Gestaltung wird es Redebeiträge von Thomas Hanns als Vertreter der Stadt Döbeln, Dr. Lothar Beier, erster Beigeordneter des Landrates, Michael Höhme, Schulleiter des G.-E.-Lessing-Gymnasiums Döbeln sowie Stephan Siegmund, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Döbeln und Berno Ploß in Vertretung der Katholischen Kirchgemeinde St. Johannes geben. Zudem wird Stephan Conrad als Vertreter der AG Geschichte des Treibhaus e.V. sprechen.

Im Anschluss an die ca. einstündige Gedenkveranstaltung wird die Mahnwache an den Döbelner Stolpersteinen abgehalten. Dabei werden die Biographien der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt verlesen, die Stolpersteine gereinigt sowie Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet. Start ist am Theater Döbeln.

 

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

AG Geschichte veröffentlicht Broschüre

Mit Unterstützung einer Förderung des Lokalen Aktionsplans Mittelsachsen haben die Mitglieder der AG Geschichte des Treibhaus e.V. Döbeln im vergangenen Jahr an einer Broschüre über das jüdische Leben im Altkreis Döbeln gearbeitet. Die Arbeit mit dem Titel „Niemand kam zurück – Jüdisches Leben im Altkreis Döbeln bis 1945“ liegt nun vor. Auf 109 Seiten geben die Autor_innen einen Einblick in ihre ehrenamtliche Recherchearbeit und haben zum Teil in Vergessenheit geratene Geschichten zusammengetragen.

„Dabei konnten wir auch auf die Vorarbeiten von anderen Menschen zurückgreifen – etwa die Erforschung der Familiengeschichte Gutherz und Glasberg von Michael und Sebastian Höhme oder die Recherchen von Hella und Sandra Rottenberg über ihren Großvater Isay Rottenberg“, erklärt Sophie Spitzner von der AG Geschichte. Weitere Informationen wurden etwa in den jeweiligen Stadtarchiven, in Einwohnermeldeämtern, alten Lokalzeitungen, aber auch im Bundesarchiv, in Gedenkstätten oder beim Internationalen Suchdienst zusammengetragen. Auch der sogenannte „Mildensteiner Erzähler“, ein Heft des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, bot wichtige Informationen. Und das sind nur einige Beispiele für die Quellen, die über viele Jahre gesammelt und ausgewertet wurden.

Durch die Broschüre soll das ehemalige jüdische Leben in den Städten Döbeln, Hartha, Leisnig, Roßwein und Waldheim wieder sichtbar gemacht werden. „Erzählt werden alle erforschten Geschichten ortsansässiger Jüdinnen und Juden“, so Stephan Conrad, ebenfalls Mitglied der AG Geschichte. „Dabei ging es uns nicht nur um die Menschen, für die in der Region bereits Stolpersteine verlegt wurden, sondern auch um die Personen, denen die Flucht gelang.“ Überlebende emigrierten für immer und so verschwand das jüdische Leben aus der Region. Die Mitglieder der AG Geschichte konnten sogar Kontakte zu Nachfahren Überlebener aufbauen.

Gemeinsam mit der ebenfalls im Rahmen der Förderung realisierten Stadtkarte über Döbeln zur Zeit des Nationalsozialismus bildet die Broschüre eine weitere Grundlage zur Beschäftigung mit den geschichtlichen Ereignissen in der Region und einen wichtigen Beitrag zur politisch-historischen Bildung.

Ansprechpartner_innen:
Sophie Spitzner, Stephan Conrad
Fon: +49 (0) 3431 / 60 52 973, +49 (0) 3431 / 60 52 972
Mail: ag-geschichte@treibhaus-doebeln.de

AG Geschichte als Preisträger des “Ur-Krostitzer Jahresring 2017” ausgezeichnet

Bei der Preisverleihung des 14. “Ur-Krostitzer Jahresrings” in Leipzig wurden Mitglieder der AG Geschichte am Mittwoch, 20. Dezember 2017, in der Kategorie “Erinnerungskultur” ausgezeichnet. Der mitteldeutsche Historiker_innenpreis wurde 2004 initiiert und ruft seitdem Geschichtsforscher_innen jenseits der Professur dazu auf, ihre Arbeiten einzureichen.

Auch die AG Geschichte des Treibhaus e.V. beteiligte sich mit ihrer Applikation (App) für Smartphones, welche Informationen über “Döbeln im Nationalsozialismus” von jedem Ort aus zugänglich macht und 2016 veröffentlicht wurde. Zu den Juror_innen, die über insgesamt 70 Einsendungen entschieden, gehörten: Wolfgang Welter, Geschäftsführer der Ur-Krostitzer Brauerei, Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Katja Rosenbaum, Direktorin des Museums Schloss Lützen, Torsten Zugehör, Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg und der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Manfred Straube.

In der Begründung der Jury zur Einreichung der AG Geschichte heißt es: “Die AG Geschichte (…) hat entsprechend ihrem Motto Geschichte lebendig gemacht, um sie der Nachwelt zu erhalten. (…) Die AG Geschichte holt vergessen Geglaubtes in die Gegenwart zurück und leistet somit einen bedeutenden und notwendigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung.” Zudem betonte die Jury, dass die Auszeichnung sich nicht nur auf die eingereichte App beziehe, sondern die gesamte Arbeit der AG Geschichte damit gewürdigt würde.

Die App “Döbeln im NS” kann im Google Play Store und im App Store kostenfrei heruntergeladen werden. Weitere Informationen über die Arbeit der AG Geschichte finden sich auf der Seite des ehrenamtlichen Projekts und auf der AG Homepage www.doebeln-im-ns.de.